Mit einer Gesamtlänge von knapp 5 km zählt die Grotte di Castelcivita in der Nähe von Controne zu den größten und eindrucksvollsten Höhlen im südlichen Italien. In den Gängen und den meterhohen Kammern voller Stalaktiten und Stalagmiten ist so einiges los.

Kultur- und Theaterliebhabern bietet die Tropfsteinhöhle eine einzigartige und unnachahmliche Kulisse für Dante Alighieris Inferno (Hölle), Teil 1 seiner Divina Commedia (Göttliche Komödie). Abenteurer hingegen dürfen sich mit Helm und Stirnlampe gerüstet in die absolute Dunkelheit begeben. Hobbygeologen werden indes ein vom Calore-Fluss über Jahrtausende mühevoll geschaffenes, kleines Paradies finden.

Geführter Rundgang durch die Grotte di Castelcivita

Als wir nach unserem Besuch bei Michele Ferrante in Controne spontan entscheiden, die nahe gelegene Höhle zu besuchen, sind wir die einzigen Gäste und kommen so in den Genuss einer Privatführung. Es ist März und bis auf einige Schulklassen am Vormittag wird die Höhle zu dieser Jahreszeit nur selten besucht.

Stalagmiten und Stalaktiten

Im Reich der Stalagmiten und Stalaktiten.

Da sich in dem unterirdischen Reich über den Winter regelmäßig zwei Seen bilden, erklärt uns unser Guide, dass wir heute mit ihm lediglich den Percorso turistico machen können. Gesagt, getan: über 1,2 km führt er uns in die Höhle hinein. Dieses Teilstück ist vollständig elektrifiziert, sprich es gibt Licht und wir sehen toll in Szene gesetzte Formationen aus Kalkstein.

Gleich zu Beginn macht uns unser Guide am Höhleneingang auf einige archäologische Ausgrabungen aufmerksam. Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Grotte erforscht und erkundet. In den 1970er Jahren stießen Wissenschaftlicher schließlich auf die Überreste steinzeitlicher Werkzeuge und anderer Fossilien. Ihre Untersuchungen ergaben, dass die Höhle schon vor 40.000 Jahren von Menschen bewohnt und genutzt wurde. Beeindruckend!

Im Reich der Stalagmiten und Stalaktiten

Mit einem „Wow!“ auf den Lippen passieren wir auch die ersten schön gewachsenen Stalagmiten und Stalaktiten. Die Decken hängen voll, um uns herum sprießen sie in Hülle und Fülle. Wo sollen wir nur zuerst hinschauen?

Lamellenformationen an der Decke

Beeindruckende Lamellenformationen werden Sie zum Staunen bringen.

Einige der Kammern und Säle, die wir auf dem Percorso durchqueren, sind wirklich beeindruckend hoch. An anderer Stelle haben sich wunderschöne, seltene Lamellenformationen gebildet. All das ist das Werk des Calore-Flusses, der eine Ebene unter uns weiterhin fröhlich vor sich hin arbeitet.

Über Jahrtausende hat er sich durch das Kalkgestein der Monte Alburni gegraben und dabei mehrere alte „Flussbette“ hinterlassen. Wir befinden uns aktuell 94 m ü NN. Über uns jedoch befinden sich zwei weitere Ebenen! An einigen Stellen kann man sie erkennen. Unser Guide leuchtet sie mit seiner Taschenlampe perfekt für uns aus und wird nicht müde, allerlei Geschichten und Legende über die Höhle, ihre Erforschung und die Entstehung der Gesteinsformationen selbst zu erzählen.

Es war einmal… Legenden und Geschichten über die Grotte di Castelcivita

Als wir am Ende des Percorso turistico angelangen, zweigt nach links der Percorso amatoriale ab. Hier endet die Elektrifizierung des Weges, die Dunkelheit beginnt. Zwischen dem 1. Juni und dem 31. Oktober dürfen sich Mutige hier weitere 2 km ins Erdreich hinein wagen, denn in dieser Zeit liegen die unterirdischen Seen trocken.

Die Höhle im Wachstum

Schneeweißer Kalkstein: Die Grotte di Castelcivita befindet sich nach wie vor im “Wachstum”.

Auch uns hat das Fieber gepackt und ausnahmsweise führt uns unser Guide ein Stück des Weges in die Dunkelheit. Als er das Licht seiner Taschenlampe ausschaltet, ist es gruselig und spannend zugleich; so, wie all die Geschichten, die über die Grotte di Castelcivita erzählt werden.

Eine handelt zum Bsp. von zwei Brüdern aus Controne, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den damals noch winzigen Eingang in die Höhle wagten. Bei sich trugen sie zwei Öllampen. Nach gut 400 m erloschen ihre Lampen plötzlich. Was war passiert?

Sie waren in eine Kammer vorgedrungen, die von einer Fledermauskolonie bewohnt war. Auf über 1 Meter türmte sich der stickstoffhaltige Kot der Tiere und ließ die Sauerstoffversorgung auf einen gefährlich niedrigen Wert sinken. Orientierungslos in der Dunkelheit wurden die zwei Brüder erst nach 6 Tagen in der Höhle gefunden und verstarben beide kurz darauf an den Folgen ihres waghalsigen Ausflugs. Unser Guide erzählt, dass sich daraufhin über viele Jahre niemand mehr traute, die Höhle zu betreten.

Auf den Spuren von Spartakus

Eine andere Geschichte führt hingegen eher in das Reich der Legenden. So soll ganz in der Nähe der Grotte di Castelcivita eine Schlacht zwischen den Soldaten des Römischen Reiches und den Aufständischen unter der Führung Spartakus’ stattgefunden haben. Die Römer triumphierten, doch Spartakus, seine Frau Norce sowie einige seiner verletzten Männer könnten in die Höhle fliehen und sich dort verstecken.

Kammer mit Stalagnaten

Für die fabelhafte Welt unter Tage lohnt sich die Fahrt nach Castelcivita.

Die Legende um Spartakus und Norce wiederum lockte der ersten Entdecker und Forscher nach Castelcivita. Man erzählte sich, Spartakus hätte im Inneren der Höhle einen Schatz versteckt. Er wurde nie gefunden, einen Besuch wert ist die Grotte di Castelcivita jedoch allemal.

Informationen zur Besichtigung der Höhle:

  • Besuchszeiten: 01.03.-31.10.; nur im Rahmen einer Führung
  • Führungen Percorso turistico im März und Oktober täglich 10:30, 12:00, 13:30 und 15:00 Uhr
  • Führungen Percorso turistico von April bis September täglich 10:30, 12:00, 13:30, 15:00, 16:30 und 18:00 Uhr
  • Sprache der Führungen: Italienisch, Audioguides in Deutsch sind an der Kasse erhältlich
  • Percorso turistico: Dauer ca. 1 Stunde, € 10.- p.P. | € 8.- für Kinder bis 12 Jahre | Kinder unter 5 Jahre sind frei
  • Percorso amatoriale: Dauer ca. 4 Stunden, € 25 p.P. | nur 01.06.-31.10., jeweils samstags um 10:00 Uhr | nur nach vorheriger Reservierung | Mindestteilnehmerzahl 8 Personen | ab 10 Jahre | Helm und Stirnlampe sind im Ticketpreis inbegriffen, festes Schuhwerk und eine Jacke sind mitzubringen, in der Höhle herrschen konstante 18° C
  • Anmeldung für den Percorso amatoriale: Tel. (0039) 0828 772 397 | E-mail: info@grottedicastelcivita.com
  • Tipp: Das Restaurant Casacivitas mit authentischer cilentanischer Küche befindet sich neben dem Kassenhäuschen und ist von Ende März bis Ende September zum Mittagessen geöffnet. Mittwochs ist Ruhetag. Daneben befindet sich auch eine Bar.
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